OnAir und OffAir – Ein Interview mit Charly

Wer dich kennt weiß, dass du offAir meistens nochmal völlig anders bist wie onAir. Jetzt also ein Bühnenprogramm. Wie kam es denn dazu?

Anders liegt im Auge des Betrachters. Für viele Leute bin ich privat sicher auch ganz schön heftig oder schlimm aber immer noch deutlich ruhiger als der Kerle aus dem Radio. Man hat mit der Zeit so eine Janusköpfigkeit entwickelt, eine “positive Schizophrenie”. Der eine sagt und macht Dinge die der andere wohl nie tun würde und umgekehrt. Verstellen muss ich mich dazu nicht, das bin schon beides ich, nur eben in meistens gelenkten Bahnen, eine Art psychische Travestie. Die letzten zwei Jahre haben viele Änderungen für mich gebracht, die wenigsten davon haben mir gefallen. Der Charly den man nach Außen kennt ist dadurch wieder etwas böser, giftiger, zynischer und sarkastischer geworden, angriffslustiger und auch teils sadistisch, der Mensch dahinter wurde um ein wesentliches ruhiger. Und wenn sich so manche Lebensumstände ändern, dann ändert sich die Art Dinge zu sehen. Es ist der Sarkasmus und der Zynismus, der mich einerseits selbst an den Rand des Wahnsinns bringt aber nie darüber hinaus. Andererseits lachen sich Leute darüber schief und scheckig. Mir liegen schon seit über zehn Jahren diverse Leute damit in den Ohren ein Buch zu schreiben oder Comedy zu machen. Allerdings habe ich selbst mich noch nicht bereit dazu gefühlt und auch nicht die Zeit dafür gehabt. Von Jahr zu Jahr wurden es mehr Leute in den Ohren und irgendwann stapelten sich die auch auf meinen Nerven und auf meinem Schreibtisch stapelten sich die Ideen. Nachdem sich auf meinen Facebook-Seiten immer mehr Leute auch ähnlich geäußert haben, dachte ich “Versuchs halt mal, wenn’s nix wird haste’s wenigstens versucht!”

Wenn du sagst viele Ideen und noch böser als bisher. Was erwartet uns denn?

Es wird über das hinaus gehen, was ich im Radio aus diversen Gründen nicht anbringen kann. Zum einen weil es eben als reines Hörerlebnis nicht wirken oder schlecht umzusetzen wäre, zum anderen weil es da einfach zu weit gehen würde. Es wird natürlich um Männer und Frauen gehen und die kleinen und großen Katastrophen, die sie anrichten können. Beruflich bedingt werden auch meine Erlebnisse aus Radio und Fernsehen oder als DJ eine Rolle spielen, das kann ich wohl unmöglich außen vor lassen. Der Bereich unter der Gürtellinie wird auch nicht zu kurz kommen und ansonsten wäre es möglich, dass meine selbsternannten Lieblingsrandgruppen wie Gutmenschen und Veganer sich warm anziehen müssen. Es könnte also zur Abwechslung mal nicht nur sexistisch werden, sondern auch mal sexistisch und politisch.

Wie sieht es mit den Studenten aus? Dein “Guten Morgen liebe Studenten!” ist ja legendär.

Für die wird es auch da kein Extrabratwurstbratwurstbratgerät geben, die zahlen genauso wie Walldorfschüler, Namenstänzer und alle anderen den gleichen Eintrittspreis. Mit dem Schrei um 18 Uhr habe ich aufgehört, weil ich oft noch nach der Sendung im Synchronstudio stehe. Und du kannst einfach keine zwei Stunden konstant sauber und konzentriert sprechen, wenn du klingst und dein Hals sich anfühlt, als ob Du eine Schrubbfeile gefressen hättest. Aber eventuell werde ich ja im Rahmen des Liveprogramms lüften wie es zu dem Spruch kam und was das vor und nach sich zog.

Viele Bühnencomedians arbeiten ja mit kleinen Alter Egos. Hastt du da auch etwas in der Hinterhand, oder gibt es Charly pur?

Andere haben ihre Alter Egos, ich hör auch so schon genug Stimmen. Natürlich habe ich mir schon meine Gedanken gemacht zu dem ein oder anderen Typen Mitmensch, den man gerne persiflieren oder besonders intensiv durch den Kakao ziehen möchte. Was davon bis in die finale Show letztlich reinkommen wird weiss ich jetzt noch nicht. Bis jetzt ist das Programm, die Show und das Event drum herum noch alles sehr dynamisch und dauernd kommt etwas neues dazu oder wird etwas anderes herausgenommen. Das wird wohl auch bis das Licht in der Halle ausgeht so bleiben und was dann passiert steht wahrscheinlich wieder auf einem ganz anderen Blatt. Eine Nummer die mir sehr wichtig gewesen wäre habe ich letzte Woche zum Beispiel aus dem Ablauf herausgestrichen, da es da unter anderem um Klaus Kinski gegangen wäre. Der Realist in mir sagt, dass da sehr schwere Vorwürfe laut wurden, die alles in ein ganz anderes Licht tauchen und seinen Rauswurf mehr als rechtfertigen. Der Satiriker in mir kennt aber die Nummer und weiß, dass das so herrlich kaputt und bizarr ist, dass es schon fast eine Schande wäre das nicht zu bringen. Mal sehen wie es ausgeht, ich suche noch nach einer Lösung und verfolge die aktuellen Geschehnisse.

Wie kam es denn genau zu dem Titel OffAir?

Der Name hat einfach damit zu tun, dass die ganze Nummer dieses mal nicht im Radio stattfinden wird. Als Radiomacher ist mir der Begriff “On Air” für “Auf Sendung” ja schon fest in den elementaren Sprachgebrauch übergegangen. Als ich am suchen nach einem kurzen Namen war, kam es aus meiner langjährigen Kollegin Vio wie aus dem Revolver geschossen: “Off Air” ! Das war dann auch sofort eingeloggt. Den richtigen Ort zu finden war eine sehr schwere und doch wieder sehr einfache Entscheidung. Kleine Brötchen backen, langsam Anfangen und schlimmstenfalls langsam auf die Fresse fallen. Als Underdog in Sachen Comedy kann ich ja nicht erwarten große Hallen oder Stadien zu füllen. Eine füllbare Halle, übersichtlich, das war das zu suchende Ziel. Nach ein paar Wochen sinnloser Telefonate hatte man wieder dieses Gefühl, wie sich Newcomer oder Beginner auf der Suche nach einer Startplattform oder einem Podium fühlen. Die Lösung lag sprichwörtlich vor meiner Haustür, die Hardthalle. Meine Heimatgemeinde Neulussheim hat mir damit nicht nur einen riesigen Gefallen getan, dass wir die Halle recht schnell eingewickelt hatten. Es bedeutet mir auch sehr viel einen mir vertrauten und sicheren Boden unter den Füssen zu haben und in einer mir sehr vertrauten Umgebung starten zu können. Was letztlich draus wird, das muss sich zeigen, wenn das Licht wieder an geht.

Wer dich im Radio hört oder privat mit dir unterhält, schreibt oder liest kennt ja die ein oder andere Alltagsanekdote von dir. So IKEA, Paketboten oder aber auch einfach nur Charly pur. Was ist denn die Anekdote, die dich am meisten auch heute noch berührt?

Da gab es zu viele um den Überblick zu behalten. Als spontaner Mensch hau ich ja dauernd irgendwas raus.
Es passiert eben einfach viel, man muss es nur wahrnehmen und blitzschnell entscheiden, ob man aus der Situation etwas machen kann. Okay, man kommt auch mal an den oder die Falsche aber wer nicht wagt, der lacht auch nicht. Manche Sachen macht man dann aber doch geplant. Ich wollte schon immer mal einen Gag ausprobieren, den Jürgen von der Lippe mal in einem Programm erwähnt hat. Und irgendwann hatte es dann gepasst, dass ich mit vollem Wagen an der Kasse vom Supermarkt stand und das Band beschaufelte. Kam so ein Dödel mit ner Packung Kippen und nem Quark oder Sahne an. Der hatte schon den klassischen “Kassen-Messias”-Blick drauf und bettelte optisch darum vorgelassen zu werden. Das Band war proppenvoll und immer noch Zeug im Wagen, der Kunde vor mir bezahlte gerade, der Kippenquark wurde unruhiger. Du musst das aufmerksam beobachten aber so tun als wäre es dir völlig egal. Kurz bevor die Kassiererin deine LKW-Ladung eintippt guckst du ihn dann hilfsbereit und verständig an und fragst “Hast Du nur die zwei Sachen ?”. Erwartungsgemäß freute sich der noch ein Loch in den Hintern und nickte wie Tantes Wackeldackel. Dann kam die ernüchternde Antwort, “Siehste, dann haste jetzt aber nen Arsch voll Zeit um nachzudenken, ob Du nicht doch was vergessen hast !” Dieser Blick, das schafft einfach ne Menge Platz, die Kassiererin wäre am liebsten gestorben.

Seit Sendestart bist du bei Sunshine Live zu hören, seit fast 10 Jahren mit die Ikone in Sachen Classics und seit über elf Jahren mit DJs Afterwork auf Sendung.
Radio ist wahrscheinlich mehr als nur ein Teil deines Lebens geworden. Wie kam es denn eigentlich überhaupt dazu?
Wir hatten zuhause früher keine Anlage, mein Dad hatte ein Transistorradio und ein Tonband, beides existiert und funktioniert heute noch. Musik wurde aus dem Radio aufgenommen und er schlief über “Vom Telefon Zum Mikrofon” gerne mal ein. So kamen auch zahlreiche Moderationen mit auf die Bänder und Sigi Harreis, Rolf Klein, Karl-Heinz Wegener und Dieter Thomas Heck wurden für mich sehr vertraute Stimmen. So ging das bis ich selbst 16 war, sehr viel wurde am Radio gesessen und gehört und aufgenommen. Wir sind eben anders mit dem Medium Radio aufgewachsen und haben dadurch auch eine ganz andere Beziehung dazu. In der Schule kam ich dann durch RPR1 in Kontakt mit dem richtigen Radio und wusste sofort, dass ich das auch mal machen will, allerdings mehr die technische Seite. 1996 war es dann soweit, ich kam nach meiner Ausbildung zum Radio-Fernsehtechniker zur RNO Radio GmbH als Techniker und Produzent. Das Programm war nicht wirklich erfolgreich und man sah nur in der Flucht nach Vorne einen Ausweg alles ganz anders machen zu wollen. Für ein bis dato nicht vorhandenes Jugendprogramm suchte man nach Moderatoren. Mein Job war es die Castings der einzelnen Bewerber aufzunehmen und natürlich auch eine erste leichte Einschätzung abzugeben, was mich dann über den Geburtstag hinaus wieder mit Dieter Bohlen eint. Was genau da gesucht wurde wusste keiner, aber nach den ersten zwölf Stunden wussten wir was wir nicht suchten. Das hat so an mir gefressen, dass ich mich in der gleichen Nacht selbst gecastet habe und mein Band unter die anderen geschmuggelt habe. Acht Wochen später hatte ich die Morning Show “reset” an der Backe, der Rest ist Geschichte und bekannt.

Bedeutet das auch, dass du die “Uralt-Hasen” wie Vio, Eric, Susa, Paddy, Falk gecastet hast?
Was war denn der Inhalt deines “Castings”?

Die waren damals ausser Eric alle bei mir. Eric war vorher ja schon Moderator im alten Programm. Es ging damals um die katholischen Beratungsstellen für Schwangere und Drogenmissbrauch, ausserdem sollte man eine Musikmoderation als Überleitung von einem Titel zum nächsten abliefern. Wir haben das mit 200 Leuten gemacht und ich kann die Titel von damals bis heute nicht mehr hören.

Welche Titel waren es denn? Und kommt vom Casting deine Abneigung gegen die Kircheninhalte, die du ja seit Jahren regelmäßig vor der MixMission machen musst?

Das waren “Hymn” von Music Instructor, “Wanna Be” von den Spice Girls, “California Love” von Dr. Dre und “Stars” von Charly Lownoise & Mental Theo. Was meine Haltung zur Kirche angeht, die beruht ganz sicher nicht darauf. Das geht auf die praktischen Erfahrungen zurück, die ich selbst durch mehrjähriges Engagement in diesem Verein reichlich habe sammeln dürfen. Für mich ist das mehr Partei als Religion bei der ganzen Politik, die da drin betrieben wird und so manche Verhaltensweisen passen einfach weder zu dem was der gesunde Menschenverstand gebietet noch zu dem was in der Bibel steht. Und die kann ich auch zuhause lesen. Meinen Glauben an Gott habe ich nach wie vor aber sein Bodenpersonal hat bei mir Hausverbot, mit dem stehe ich seither auf Kriegsfuß.

Radio, Syncron und jetzt auch noch das Comedyprogramm. Was treibst du eigentlich sonst so in deinem Leben, und wo findet man dich im Gegensatz dazu überhaupt nicht?

Vor einigen Jahren habe ich mich mit dem digitalisieren analoger Medien befasst. Also Tonbänder und Schallplatten digital als Audiodaten zu erfassen und auch gleich zu restaurieren. Auslöser war eine mittlerweile über 70 Jahre alte Decelith-Platte meines Großvaters. Es ist die einzige Platte von vielen seiner eigenen Aufnahmen die den Krieg überstanden hat. Ich wollte das erhalten haben, Opa war und ist auch mit immerhin 93 noch immer ein Entertainer und ich wollte mal sehen was man aus dieser Aufnahme noch herausholen kann. Damit ging es los. Mittlerweile sind das etliche Aufträge geworden von Leuten die einfach möchten, dass ich ihre Erinnerungen rette, bewahre und manchmal auch zurück bringe. Da haben sich schon sehr schöne Geschichten herausgearbeitet. Abgesehen davon bringe ich meinen eigenen Bedarf an Vinyl ja auch selbst in den Rechner und arbeite als DJ fast nur mit selbst erstellten Aufnahmen. Abgesehen davon bin ich gerne draußen an der frischen Luft und in der Natur, alleine oder mit Hund. In einer Stadt würde ich mich nicht dauerhaft wohlfühlen, thank God I’m a country boy (lacht !). Wassersport liebe ich, entweder unter Wasser als Taucher oder auf dem Boot. Skifahren ist dagegen so überhaupt nicht mein Ding. Du findest mich eher in einer gemütlichen Kneipe als in einem Szenerestaurant oder einer Lounge und ein Tag im Elsass gibt mir mehr als ne Woche Dubai oder Mallorca. Und wenn Du mich mal im Golfclub sehen solltest, dann mach einen weiten Bogen um mich, denn das kann garantiert nichts Gutes zu bedeuten haben.

Kannst und willlst du uns eine dieser Restaurationsgeschichten erzählen?

Tonbänder sind heute ja sehr schwer zu bekommen. Ob das besagte Band bei einer Ebay-Auktion oder auf einem Flohmarkt zu mir kam, das weiß ich nicht mehr. Anfang letzten Jahres wollte ich jedenfalls Ordnung in meinem Archiv schaffen und entdeckte da eine Aufnahme die definitiv nicht von mir war. Es klang nach Fasnachtsveranstaltung und man hörte die Amateuraufnahme heraus. Der Zufall wollte es, dass ich beim durchspulen an einer Stelle hängen blieb in der “Römerberg” erwähnt wurde. Das liegt hier in der Pfalz. Die Aufnahme war recht gut erhalten. Während die beiden Seiten des Bandes mit Gesang, Büttenreden auf meinem Rechner aufliefen, begann ich parallel etwas zu recherchieren und landete schlussendlich bei der zuständigen Gemeindeverwaltung. Es stellte sich heraus, dass die Aufnahme wirklich fast 40 Jahre alt war und man wusste auch wer das aufgenommen hatte und konnte mit den einzelnen Teilnehmern etwas anfangen. Da der Bürgermeister auch das Gemeindearchiv betreut habe ich einen Abzug und ein Remaster für die Gemeinde gemacht. Zumindestens im Rathaus und diversen Vereinen haben sich da ein paar Leute sehr gefreut. Vom Fasnachtsverein kam dann die Frage warum ich mir die Mühe gemacht habe. Naja, mein Grossvater ist eine ziemliche Grösse in der kurpfälzer Fasnacht. Er hätte wohl ein Problem damit gehabt, wenn ich das Band einfach so gelöscht hätte.

Sicherlich gab es noch mehr solche Zufallsfunde, die den Weg zu dir fanden.
Zum Abschluss ergänze doch bitte noch ein paar Sätze.

Wäre ich besser in der Schule gewesen …
… hätte ich mir beim Mopedfahren nicht die Hose zerrissen.

Wenn ich nochmal im Castingstudio der RNO säße …
… würde ich mir das Recht erbitten die hoffnungslosen Fälle gleich vor die Tür zu setzen und meine eigene Aufnahme nochmal einschmuggeln.

Wenn ich an Double Impact denke, denke ich an …
… eine Sendung zurück, die so heute nicht mehr machbar wäre aber damals sicher noch ein zwei Jahre sehr erfolgreich gelaufen wäre.
Charly bat an dieser Stelle den noch nicht so ganz lange Sunshine Live hörenden Menschen die Sendung etwas genauer zu erklären. Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Double Impact im Prinzip wie die DJs Afterwork war (mit LiveMix) aber ansonsten die klassische Morningshow mit Spielen, Gags und Comedy. Letzteres bestand aus der Sendereihe “Frau Angelsaxon meets the Hotbrauser”. Moderativ wurde Charly von Angel alias Andrea Göpel (ex RTL-Gartenfee, SAT1-Moderatorin, Weight Whatchers) begleitet. Krankheits- und Urlaubsvertretungen waren Eric (für Charly) und Naddel (Natalie Brand geb. Reisenbüchler) für Angel. Nach nicht einmal 6 Monaten auf Sendung wurde Angel und Charly von der LfK-Baden Württemberg für DoubleImpact der Hörfunkpreis für die “beste Moderation” verliehen, die höchste erreichbare Auszeichnung.
Double Impact war von Herbst 2000 bis Herbst 2001 auf Sendung. Die meiner Meinung nach eindrucksvollste DoubleImpact Sendung war die Ausgabe vom 12. September 2001 nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Ironischerweise wirklich ein “Double Impact”. Mit Start dieser Sendung bis zur letzten Sendung war die Comedyreihe rund um Warmduscher und Angel nicht mehr auf Sendung.

Meine Lieblingsanekdote aus Spotlight ist …
…gespalten. Wenn es um die lustigen Geschichten geht, dann sicher das legendäre und nie gesendete Interview mit “Madison Avenue” Sängerin Corky und die Aufnahme mit Brösel und Andy. Die zwei waren rotzevoll und ich saß drei Nächte im Schnittstudio, um aus 50 Minuten purem Unterhaltungswahnsinn ganze acht Minuten zu bekommen, die man gefahrlos senden konnte. Sehr schön war damals der Termin mit “Faithless” und Gloria Gaynor oder Depeche Mode.
Auch hierzu eine Erklärung. Spotlight war von Sendestart 1997 bis zum Herbst 2001 (Startschuss der DJs Afterwork) eine Sendung in der Sendeschiene 18 bis 20 Uhr, immer donnerstags. Inhalt ein Interview mit bedeutenden Persönlichkeiten – mal live – mal aufgezeichnet.

Meine größte Sendepanne war …
… relativ früh, 1997, nach einem montäglichen spontanen Betriebsausflug auf die Weinheimer Kerwe. Wir waren fast alle unterwegs und es war ein sehr lustiger Montag, das Bier lief extrem gut. Irgendwann in tiefster Nacht kippte ich rückwärts von der Bierbank und einigen dämmerte es, dass ich demnächst ja die Frühsendung machen müsste. Man hat mich im Studio abgeliefert und hinters Pult gesetzt, ich war nicht mehr im Stande das mittlere der drei Mischpulte zu treffen. Für knapp eineinhalb Stunden hörte man das auch, denn ich bekam zwar nix mehr gebacken aber mir gings gut und das hörte man auch.

Die erste Platte in den Classics 2003 war …
Weiss ich wirklich nicht mehr. Du ?
Bin ich auch überfragt.

Die erste “Exteded Version” in den Afterwork war …
Weiss ich auch nimmer.

Vinyl oder Digital ist für mich …
…mittlerweile entschieden. Vinyl und generell Analog zuhause, digital unterwegs. Natürlich klingt eine Platte oder ein Tape immer anders als eine CD oder Datei, vor allem als eine MP3. Bei aller Euphorie und Fanatismus stellt sich aber auch immer die Frage welche Art von Musik höre ich von welchem Medium auf welcher Anlage und in welchem Raum. Wenn sich dann meine intelektuell und eloquent bewusstseinserweiterten kredibilen DJ-Kollegen zu Wort melden und Sätze raushauen wie “Feeling beim Auflegen rüberzubringen ist nur mit Vinyl möglich”, dann bin ich jedesmal versucht denen wegen gefährlichem Halbwissen den Mund zuzunähen und das Hirn zu entlüften.

Radio oder Fernsehen …
…ist eine spannende Frage. Das Radio liegt mir nach wie vor sehr am Herzen, es ist ja das, was mich ein Leben begleitet und beeinflusst hat. Im Moment fühle ich mich mal noch nicht zu alt das zu tun was ich tue. Wenn es nach mir geht bleibe ich da also dabei. Fernsehen wäre eher etwas passives für mich. Ich muss nicht im Bild zu sehen sein aber es macht mir auch sehr großen Spaß Dokus und Filme als Sprecher zu vertonen. Was mehr Zukunft hat, das muss sich zeigen. Wobei ich mir auch vorstellen könnte irgendwann Radio aktiv aus dem Hintergrund zu machen.

Classics oder Aktuelles …
… Classics sind der Fluch der mich verfolgt, das Aktuelle bietet leider wenig Abwechslung und tritt auf der Stelle.

Meine persönliche Lieblingssendung in 15,5 Jahren Sunshine Live …
Schwer zu sagen, da ist einfach zu viel zusammen gekommen, was sich fest eingebrannt hat.
Einzelne Ausgaben, oder wirkliche Sendekonzepepte wie Reset, Fresh, Spotlight?
“spotlight” hat für uns immer Abwechslung und Spass gebracht, da wir eben sehr viele Acts persönlich kennenlernen durften. Eingebrannt haben sich Sendungen wie die vom 12.09.2001, die Sendungen zum Gedenken an Tillmann und Marcus, “double impact” oder aus dem letzten Sommer “electronic lovesongs”. Es sind die Inhalte, die man persönlich durchlebt, die hängen bleiben. Wenn ein persönlicher Bezug da ist, dann merkt man das auch und es ist fast unmöglich das nicht in die Sendung mit ein zu bringen. Auch wenn den Moderatoren bei den meisten Sendern berufsbedingt das Grinsen im Gesicht festgenäht ist und die Sonne prinzipiell aus dem Hintern scheint, der Hörer am anderen Ende merkt wenn dich etwas trifft oder berührt. Da dann ein Theater zu spielen, das wäre ungerecht, es klappt eh nie richtig. Dann ist der Tag eben mal scheisse oder man könnte einem den Hals umdrehen oder würde am liebsten jetzt wo ganz anders sein. Ich bin Mensch, keine Sprechmaschine. und das hat mich wohl vielen Hörern erstaunlich nahe gebracht.

Unsere erste Begegnung …
… Sender Schwetzingen im Rahmen von “flashlight”.
Nicht so ganz. Es war ein Montag. Es war Lablenite und es war ein Ludwigshafener “Überfallkommando”.

Zum Abschluss: Was viele ja nicht wissen ist, dass du aus unterschiedlichen Gründen sowohl mich als auch meine Mutter kennst. Und da eigentlich auch Anekdoten erzählt werden könnten.
Aber weißt du noch bei welchem Studiobesuch du damals die Chaostruppe der Ur-Sunshine-Sounds (Klaus, Heiko und mich) völlig versetzt hattest?
Das war ein Samstag morgen, “classics” in Schwetzingen. Es war der einzige Samstag, an dem ich in 10 Jahren “classics” verschlafen hatte ! Um 8 wäre es los gegangen, um kurz vor 9 war ich erst da.

Frag mich nicht mehr nach dem Datum, aber es stimmt. Das kuriose an der Sache war ja, dass im Grunde wir unten standen und nicht rein kamen, aber “Classics”-Vinyl auch dabei hatten. Der Parkplatz war da aber durch den Supermarkt schon kleiner geworden. Muss also schon relativ kurz vor dem Umzug (relativ gesehen) gewesen sein.
Kannst du dich auch noch an unser “Gastgeschenk” erinnern? Es ist damals dann auch mit nach Mannheiim umgezogen und steht heute noch zur Nutzung bereit.
Aus dem Bauch heraus nicht. Ich war noch nicht richtig wach, als ich da die Treppen hochraste.

Es ist der StudioTACKER gewesen.
In diesem Sinne … hier ist der Buzzer und ich renn jetzt so schnell ich kann erstmal zurück und aus deiner Reichweite.
Bis zum nächsten mal in der Hafenstraße zu den Classics :)

Tacker     

3 comments

  1. Ein echt gutes Interview. Schön mal eine neue Seite von Charly zu sehen. Danke dafür, hat Spaß gemacht das zu lesen. In diesem Sinne. Freu mich auf das Bühnenprogramm das wird bestimmt Sauhart und nicht ganz Jugendfrei werden =)

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